50 Jahre Reit- und Fahrverein Taufkirchen/Vils 

von Ulrike Anzinger

Der 50. Geburtstag ist für jeden Einzelnen, aber auch für Vereine und Institutionen ein willkommener Anlass inne zu halten, zurückzublicken, die Gegenwart zu analysieren und den einen oder anderen Plan für die Zukunft ins Auge zu fassen. Um den Fünfziger angemessen würdigen zu können, ist es erforderlich, ein wenig in der Vergangenheit zu stöbern. Da ich heuer selbst das 25- Jährige feiern durfte, ist es mir ein besonderes Vergnügen mit Ihnen auf eine Zeitreise durch 50 Jahre Vereinsgeschichte zu gehen. Viele Impulse gingen von den Aktiven des Vereins aus: z.B.: die Gründung des Verbandes der ländl. Reit- und Fahrvereine Obb., sowie die süddeutschen Ponymeisterschaften. Vielen Einzelerfolge und Meistertitel und vor allem Mannschaftsergebnisse prägen den Verein seit jeher. Neben einem Olympiasieger haben wir sogar einen Filmstar in unseren Reihen.

Beginnen wir im Jahr 1959, als der erste Reitkurs weit und breit in Taufkirchen stattfand.
Die Bauernburschen der Umgebung ritten mit. Vom Kirchlerner, vom Wegmann und dem Hilger z´Flaring lieh man sich die Oberländer, die tagsüber noch in der Feldarbeit eingesetzt waren, um mit ihnen die ersten Reitversuche zu starten. Dies war die Zeit als sich die Herren Georg Rauchensteiner, Helmut Schlegel, Franz Rau, Johann Senftl, Simon Sengmüller, Simmerl Hinterwimmer, Jochen Scholz und Josef Haberzettl trafen um den Reit- und Fahrverein Taufkirchen/Vils aus der Taufe zu heben.

Reit- und Fahrverein Taufkirchen/Vils e.V.

Gründungsmitglied

Auf diesen Kaltblütern fand bereits im September ´59 auf der Gutswiese das ersten Turnier bis Kl. L in Springen und Dressur statt. 1959 schlossen sich die Vereine Taufkirchen, Weilheim, Tegernsee, Nandlstadt, Stephanskirchen, Ebersberg und Taufkirchen auf Initiative von Helmut Schlögl zum Verband der ländl. Reit- und Fahrvereine Obb. zusammen.
Etwas später kam der erste Wagon am Bahnhof Taufkirchen mit Warmblütern aus Norddeutschland an und der Reitsport festigte sich. Anfänglich war es eine reine Outdoor-Sportart. Bei jeder Witterung wurde draußen geritten. Gelegentlich ritt man im Stadl beim Herrn Pfarrer in Steinkirchen, welcher die Pferde vor allem wegen ihres Mistes liebte. Die erste Reithalle, sofern man sie so nennen konnte, war ein Zelt an der Vils. Dieses Glück währte jedoch nicht lange. Das Hallendach brach nach einem starken Schneefall ein und man war auf der Suche nach einer Alternative.

Bau der ersten Halle im Jahre 1966
Der Verein wuchs schnell und im Jahre `66 bürgten die Mitglieder Engl, Haberzettl, Heider, Theis Gustav und Horst, Scholz, Schlegl und Rauchensteiner mit ihrem Privatvermögen für den Bau der zweiten Halle. Damals hatte der Vorstand Gustav Theis zusammen mit Altbürgermeister Bartl Wegmann die geniale Idee, die Halle auf Gemeindegrund zu bauen und das Volksfest darin abzuhalten. Eine Symbiose deren Erfolgsgeschichte bis heute währt. Diese Halle steht übrigens noch heute und ist die Werkstatt vom BKH Taufkirchen. Tagsüber wurde an der Halle gearbeitet und nachmittags per Sammeltransport, einem alten Hierl-LKW, auf die umliegenden Turniere gefahren.

Wegen der Nähe zum Krankenhaus wurde 1972 die jetzige Halle gebaut und der Reitsport siedelte dahin um. Jochen Scholz war damals maßgeblich für die blauen Trägersäulen verantwortlich. Blau war damals die Farbe bei Olympia in München. Ob Scholz schon eine Vorahnung hatte, dass 16 Jahre später tatsächlich die Vereinsfarben bei Olympia 1988 in Seoul getragen wurden, kann heute nur noch gemutmaßt werden.

Wo wir bei den sportlichen Erfolgen der Vereinsmitglieder angelangt wären. Einige der ersten Turnierreiter für Taufkirchen waren Sepp Huber, Josef Haberzettl und Horst Theis. Theis war der erste, der eine S-Platzierung für Taufkirchen gewann. Seinem Beispiel folgten viele Mitglieder. Eine Besonderheit in der Vereinsgeschichte ist sicherlich die reitsportliche Breite. In allen Disziplinen, egal ob Dressur, Springen, Vielseitigkeit oder moderner Vierkampf  gab es mehrfach obb., bayr. sogar deutsche Meistertitel in Einzel- oder in der Mannschaftswettbewerben. In den Hochzeiten starteten bis zu sieben Mannschaften in den Springwettbewerben. Hier hat sich im besonderen Maße Helmut Sperr als Mannschaftsführer einen Namen gemacht.

Auch viele Meisterschaften wurden von den Taufkirchnern oder bei den Taufkirchnern ausgerichtet. So wurde in den Anfangsjahren die Oberbayerische Meisterschaft in Bad Feilnbach durch uns ausgerichtet.

Treibende Kraft war hier Jochen Scholz. Später fanden diese mehrmals in Taufkirchen statt. Die Vielseitigkeitsreiterei konzentrierte sich auf Gut Postschweige um Uli Werchau. Unser ehemaliger Vorstand Heinz Werchau erwarb das Gut 1956, eine Zweigstelle des Vereins entstand. Die Postschweiger reiten noch heute sehr erfolgreich für Taufkirchen. Später wurde in Steinberg auf der Anlage von Dr. Mathias Baumann trainiert.

Werchau  nahm den § 2 der ersten Satzung immer sehr erst, den die erste Vorstandschaft, unter der Führung von Georg Rauchensteiner, formulierte. Der Vereinszweck wurde wie folgt beschrieben: „Zweck des Vereins ist es, die Liebe zum Pferd zu wecken und vor allem bei der Jugend den Reit- und Fahrsport in Taufkirchen und Umgebung zu fördern. Mittel dieses Zwecks sind: Ausbildung der Mitglieder im Reiten und Fahren, in Pferdekunde und Pferdepflege, tatkräftiger Werbung für die Reit- und Fahrbewegung, Beteiligung der Mitglieder an öffentlichen Veranstaltungen des Reit- und Fahrsports, Stellung von Reitergruppen beim Adlbergermarkt und ähnlichen Veranstaltungen“. So entstand unter seiner Leitung, mit Hilfe von Therese Keitenweiß, in Solching ein Kinder- und Reiterparadies.

Viele unserer heutigen Mitglieder haben dort über das Voltigieren das Reiten und die Liebe zum Pferd gelernt. Ein weiterer Vorstand war Peter Keilhacker, der die Beziehung zu Himolla sehr pflegte. Noch heute dürfen wir uns über diese Verbindung freuen sehr freuen, wenn wir über die interessant gestalteten Sprünge reiten. Unser jetziger Vorstand Horst Theis machte sich ebenfall in der Reitsportszene einen Namen. Ohne ihn würde es die Süddeutschen Ponymeisterschaften nicht geben. Gegen viele Widerstände setzte er sich nicht nur bei den eigenen Vereinsmitgliedern, sondern auch im Landesverband durch. Seine Hartnäckigkeit, sein Pioniergeist und seine Querdenkerei werden bis heute sehr geschätzt. Sogar im Ausland war er mit den kleinen Reitern im Einsatz. Ihm verdanken wir wohl auch, dass sich ein Filmstar in unsren Reihen befindet. Die Filmgesellschaft TV 60 meldete sich nach unseren ersten Ponyturnieren 1979 und 1980 bei ihm und fragten nach einem gut reitenden Jungen mit Pony. Theis hatte auch schon einen parat. Lucki Morlocher und seinen Brummi. Die beiden fuhren für drei Monate in die Bretagne und die Weihnachtsserie „Silas“ entstand.

Eins der größten Highlights in der Vereinsgeschichte ist jedoch ohne Zweifel die Goldmedaille von Dr. Matthias Baumann und Shamrock, als er 1988 mit der deutschen Equipe in der Vielseitigkeit die Mannschaftswertung gewann. Ein Ereignis, das weder Mathias, noch so mancher Vereinskamerad, der Zuhause vor dem Fernseher saß und mitfieberte, jemals vergessen wird. Vor Gegenwart und Zukunft braucht uns nicht bange sein. Es gibt viele erfolgreiche Kinder in unseren Reihen, die bestimmt noch die eine oder andere Schleife mit nach Taufkirchen bringen werden. Für die Zukunft wünschen wir uns weiterhin stille Förderer, engagierte Mitglieder, Visionäre in der Vorstandschaft, die in die Fußstapfen ihrer Vorgänger treten und die Liebe zur Kreatur Pferd in den Vordergrund stellen.